Verpackungen: auf dem Weg zu einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft

The Concept of Waste: Was bisher als Abfall betrachtet wurde, könnte tatsächlich der Schlüssel zu erfolgreichen Geschäftsmodellen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sein. In einer Welt, in der Ressourcen knapper werden und Umweltbelastungen zunehmen, müssen wir unser Verständnis von Abfall grundlegend überdenken. Abfall muss als wertvolle Ressource betrachtet werden, die es zu nutzen und zu verwerten gilt.

From the Ego to the Eco-System

In den 1960er- und den beginnenden 1970er-Jahre sind Wirtschaft und Gesellschaft von der Notwendigkeit zu konsumieren geprägt. Damit wird die Wirtschaft in Gang gehalten. Es ist das Zeitalter der Konsumgesellschaft. Die „Planned Obsolence“, das eingebaute Ablaufdatum bei Produkten – tatsächlich übrigens eine Erfindung von Alfred Sloan bei General Motors – wird zum öffentlichen Thema. Denn: Halten Produkte zu lange, kann es nicht genügend Konsum geben. Die Folgen dieser Entwicklung beschäftigen Gesellschaft und vor allem die Umwelt bis heute.

Es steht folglich ein Paradigmenwechsel von der linearen “Nehmen-Machen-Wegwerfen Wirtschaft“ hin zur Kreislaufwirtschaft an, in der Produkte und Materialien kontinuierlich wiederverwendet, recycelt und regeneriert werden. Dabei geht es nicht um einen Kampf zwischen Plastik – und Nicht-Plastik-Verpackungen, sondern es geht um nachhaltige oder nicht nachhaltige Verpackungen auf Basis von Materialien, die möglichst lange im Kreislauf gehalten werden. Und es geht darum, Kreislaufwirtschaft als Business Case zu begreifen.

Fragen Sie zehn Menschen nach ihrem Verständnis von Kreislaufwirtschaft und Sie werden vermutlich zehn unterschiedliche Antworten – je nach Branche, Rolle und Platz entlang der Wertschöpfungskette – erhalten.

„Kreislaufwirtschaft muss sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientieren und nach Wegen suchen, diese Bedürfnisse mit einem optimierten Einsatz an Ressourcen zu decken. Für
uns als Verpackungshersteller bedeutet dies, dass wir der Verpackung ein 2. Leben geben!“

Thomas Ott, CEO Mondi Flexible Packaging

Voraussetzungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sind:

1. Kreislaufwirtschaft muss einen Wert haben:
Wir müssen die Idee von Abfall als Wert (concept of value as waste) als Geschäftsmodell auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette fördern. Das setzt voraus, dass wir uns auch hier vom rein linearen Handeln verabschieden und „im System“ denken. Mondi beschäftigt sich dazu beispielsweise mit dem Aufbau von Systemen, die die Rückgewinnung von Fasermaterial in den Mittelpunkt stellen.

2. Kollaboration und Dialog:
Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft erfordert die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg. Kooperationen zwischen Herstellern, Lieferanten, Konsument:innen und politischen  Entscheidungsträger:innen sind das neue Normal. Nur so können Lösungen entwickelt werden, die ökologische und ökonomische Interessen in Einklang bringen.

Auch die Verbraucher:innen stehen vor neuen Herausforderungen. Während Unternehmen und Regierungen Maßnahmen ergreifen, um nachhaltigere Verpackungslösungen zu fördern, sind sie mit einer Vielzahl von Kennzeichnungen und Siegeln konfrontiert, die ihnen helfen sollen, nachhaltige Produkte zu identifizieren. Doch die Komplexität und Uneinheitlichkeit dieser Kennzeichnungen kann Verwirrung stiften und die Bereitschaft der Konsument:innen einschränken, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Daher müssen Unternehmen, Regierungen und Verbraucherorganisationen zusammenarbeiten und einen kontinuierlichen Dialog führen, um so eine klare und konsistente Kommunikation zu gewährleisten und den Übergang zur realen Kreislaufwirtschaft zu erleichtern

3. Innovation und Forschung:
Innovation statt (nur) Optimierung: In Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen sowie in den Mondi eigenen Laboren wird kontinuierlich in innovative Lösungen für nachhaltige Verpackungen investiert. Von biologisch abbaubaren Materialien über neue Recyclingverfahren bis hin zu ressourcenschonenden Produktionsverfahren: Es geht darum, die Grenzen des Machbaren zu erweitern. Im Mittelpunkt steht dabei immer die eigentliche Aufgabe der Verpackung: der Produktschutz! So stecken zum Beispiel 97 Prozent der Klimabelastungen im Produkt und nur drei Prozent in der Verpackung. Entscheidend ist, dass das Material wiederverwendbar, recyclingfähig oder kompostierbar ist. Beispiele dazu sind etwa die von Mondi für Reckitt Benckiser entwickelten Papier-Beutel für Geschirrspültabs, die mit einer so dünnen Kunststoff-Folie beschichtet sind, dass sie zum Altpapier kommen. Für ein schwedisches Möbelhaus wurde eine Lösung entwickelt, bei der Matratzen statt in Plastik in Papier eingerollt werden. Auch die weltberühmten Plastikbausteine aus Dänemark werden künftig in Papier statt in Plastiktaschen verpackt.

Der Mondi Action Plan 2030 (MAP2030) ist Mondi’s Nachhaltigkeitsrahmen, der die Maßnahmen festlegt, die das Unternehmen ergreift, um seine ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele bis 2030 zu erreichen. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf drei zentrale Themen:

  • Kreislauforientierte Verpackungs- und Papierprodukte,
  • handlungsfähige Mitarbeiter:innen,
  • sowie Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Alle drei Bereiche orientieren sich an den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (UN SDGs).

Wachstum mit Verantwortung

Das Thema der Kreislaufwirtschaft berührt die wirtschaftlichen und sozialen Fragen, an denen Mondi als Verpackungs- und Papierhersteller arbeitet. Bereits vorhandene Elemente wie fortschrittliche Recyclingtechnologien, Materialinnovationen, das Bewusstsein der Verbraucher:innen und sich weiterentwickelnde Vorschriften werden den gemeinsamen Weg zu einer Kreislaufwirtschaft bestimmen. Nachhaltigkeitsthemen als Business Cases aufzubauen und auch Regulierung so zu verstehen, dass sie die wirtschaftliche Transformation unterstützt, schafft langfristige Werte für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft.

Der Autor:

Thomas Ott ist seit Januar 2022 CEO des Mondi Geschäftsbereichs Flexible Packaging. Er verantwortet in dieser Funktion einen Umsatz von rund 4 Milliarden Euro mit einer Führungsspanne von mehr als 12.000 Mitarbeiter*innen in 29 Ländern. Der gebürtige Wiener verfügt über umfassende internationale Branchen-Erfahrung mit Karriere-Stationen unteren anderem in Italien und den USA.

Mondi ist ein global führendes Verpackungs- und Papierunternehmen. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt der Unternehmensstrategie. Die ambitionierten Verpflichtungen bis 2030 konzentrieren sich auf kreislauforientierte Lösungen. Mondi beschäftigt 22.000 Mitarbeiter:innen weltweit.