Die Evolution des CIOs: Vom Dienstleister zum Gestalter

Unternehmen stehen vor der Aufgabe, nicht nur mit Künstlicher Intelligenz (KI), Cloud-Technologien, Data Analytics und dem Metaverse Schritt zu halten, sondern auch die langfristigen Chancen und Herausforderungen digitaler Innovationen zu erkennen und erfolgreich umzusetzen. In diesem Kontext sind der Chief Information Officer (CIO) und die IT-Organisationen heute wichtiger denn je. Lesen Sie hier, warum CIOs in ihrer Rolle als Trusted Adviser einen entscheidenden Beitrag zu aktuellen und künftigen Wettbewerbsvorteilen leisten und welche Bedeutung der Aufbau eines Netzwerks aus IT Business Partnern hat, um Unternehmen vorausschauend durch die immer komplexer werdende digitale Welt zu führen.

Als IT-Organisation von Merck Electronics haben wir unser Selbstverständnis neu definiert: „Wir wollen der bevorzugte Partner für digitale Technologien sein und damit das Geschäftswachstum maßgeblich unterstützen.“ Wir spiegeln somit einen grundlegenden Mentalitätswechsel wider: Als IT wandeln wir uns vom reinen Dienstleister zum strategischen Partner der Geschäftseinheiten von Merck Electronics. Um diesen Wandel erfolgreich umzusetzen und fest zu verankern, benötigen wir eine klare Zielsetzung und entsprechende
organisatorische Anpassungen. Wir haben unsere Kernfunktionen neu definiert und ein internes
Netzwerk von IT Business Partnern geschaffen, die an der Schnittstelle zwischen IT und Geschäftsbereichen agieren. Der Vorteil: Wir können digitale Technologien skalieren und gleichzeitig die Anforderungen der Geschäftseinheiten erfüllen.

Die neuen Kernaufgaben des CIOs

1. Funktion: Der Partner der Wahl (Technologie-Enabler)

CIOs müssen IT-Organisationen nachhaltig befähigen, der bevorzugte und vertrauenswürdige Partner des Unternehmens in allen klassischen sowie neuen Technologiebereichen zu werden (und zu bleiben). Durch den Aufbau einer soliden Basis aus technologischer Kompetenz und betriebswirtschaftlichem Know-how kann der CIO sicherstellen, dass die IT-Organisation zu einer wertvollen Ressource für das gesamte Unternehmen wird. Dass dies Hand in Hand geht mit einer engen Verzahnung der eher technologieorientierten IT-Organisation mit den Geschäftseinheiten, ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

2. Funktion: Der wertschöpfende Partner (Lösungsanbieter)

CIOs müssen sicherstellen, dass Investitionen in Technologien und Lösungen die spezifischen Chancen und Anforderungen der jeweiligen Geschäftsfunktionen adressieren. Es gilt, die richtigen Herausforderungen zu priorisieren und Opportunitäten neuer Technologien holistisch zu bewerten. Dieser Ansatz stellt sicher, dass technologische Investitionen auf die geschäftlichen Kernprobleme sowie Unternehmensziele eingehen und somit greifbaren Mehrwert schaffen. Darüber hinaus ist es entscheidend, eine sinnvolle Skalierung sicherzustellen, damit Technologieinvestitionen mehrere Zwecke parallel erfüllen können und somit die Refinanzierung der getätigten Investitionen optimiert wird.

Ein Netzwerk von IT Business Partnern aufbauen

Um die Doppelfunktion als Technologie-Enabler und Lösungsanbieter bestmöglich zu erfüllen, haben wir ein Netzwerk aus IT Business Partnern aufgebaut, das entsprechend der Geschäftseinheiten von Merck Electronics strukturiert ist. Sie sind die zentralen Ansprechpartner und Berater für Digitalisierung, Datenmanagement, Cloud Transformation und klassische IT.

Die IT Business Partner von Merck Electronics sind sowohl mit den relevanten Technologien als auch mit dem Geschäftsumfeld bestens vertraut. So können sie geschäftliche Anforderungen in technische Lösungen übersetzen und bei der Auswahl der richtigen Investitionen unterstützen. Sie sind also nicht nur ausführende, sondern vielmehr strategische Partner, um die am besten geeigneten Technologien zu finden und zu implementieren. Dies schafft die nötige Flexibilität, um schnell auf technologische und geschäftliche Veränderungen reagieren zu können.

Auf den Mehrwert kommt es an

In der heutigen Geschäftswelt stehen Unternehmen vor der Herausforderung, aus der Vielzahl neuer Technologien diejenigen auszuwählen, die das größte Potenzial für Skalierung und Synergien bieten. Es ist immer wieder möglich, einzelne isolierte Anwendungsfälle für neue Technologien zu identifizieren. Doch kommt es entscheidend darauf an, sich auf die Bereiche mit dem größten Wertsteigerungspotenzial für die jeweilige Anwendung zu fokussieren. Wenn Unternehmen für diese Bereiche geeignete Best-in-Class-Lösungen finden, können sie überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften.

„IT-Investitionen sind Business-Investitionen.“

Frank Ott, CIO Merck Electronics

Bei Merck Electronics stehen genau solche Technologien im Fokus, die möglichst über isolierte Anwendungsfälle hinausgehen. Denn Pilotprojekte allein reichen in der Regel nicht aus, um die angestrebte Wertsteigerung zu erzielen. Ganz entscheidend ist die Möglichkeit zur Skalierung. Die IT Business Partner agieren dabei als Change Agents: Sie stellen den Business Case klar in den Mittelpunkt, wenn es darum geht, Chancen zu identifizieren sowie Lösungen auszuwählen und zu implementieren. Die Fachbereiche in den jeweiligen Geschäftseinheiten wiederum geben den digitalen Neuerungen die Gelegenheit, ihre Vorteile gegenüber traditionellen Technologien unter Beweis zu stellen.

Praxisbeispiele

1. Digitale Transformation der Qualitätssicherung:
In diesem Beispiel aus der Halbleiterindustrie stützen sich Produktionsanlagen klassischerweise auf manuelle, papierbasierte und digital isolierte Prozesse. Um die betriebliche Effizienz zu steigern und Wettbewerbsvorteile zu erzielen, wird ein Wechsel von einer traditionellen Qualitätskontrolle zu einem integrierten, datengestützten Ansatz angestrebt. Ein digitaler Zwilling (Digital Twin) wird als Technologie zur Optimierung des Liefernetzwerks eingesetzt.

Welche Rolle spielen die IT Business Partner bei Merck Electronics:

› Sie sind das zentrale Bindeglied zwischen Geschäft und IT.
› Sie verbinden Technologieexpertise mit Business-Know-how.
› Sie leben eine technologiegetriebene Denkweise vor.
› Sie sind integrierte strategische Berater des Unternehmens.
› Sie unterstützen durch strategisch-funktionale Roadmaps.

Dazu müssen Daten aus verschiedenen Geschäftsprozessen zugänglich gemacht und nahtlos verarbeitet werden. IoT-Geräte, Sensoren und Aktoren erreichen ihre höchste Leistungsfähigkeit in einer Umgebung, die nicht nur hochautomatisiert ist, sondern auch eine nahtlose Integration in standardisierte Netzwerke und eine intelligente Datenverarbeitung bietet. Hierfür ist es notwendig, IT- und OT- (Operational Technology) Technologien zu vereinen und eine robuste Cybersicherheit zu etablieren. Darüber hinaus braucht es geschlossene Feedbackschleifen, in denen horizontale und vertikale Geschäftsprozesse ineinandergreifen – nur so lassen sich aus dem digitalen Zwilling wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Nicht zuletzt muss die digitale Architektur schlank und skalierbar sein, damit sie die IT-Landschaften neuer Standorte genauso abbilden kann wie existierende, nachgerüstete Standorte.

Ein kollaborativer „One Team“-Ansatz ermöglicht es, die passende technische Lösung für jede Geschäftsanforderung zu entwickeln. Disziplinen wie IT, OT, Engineering, Data Science, Prozessentwicklung, Fertigung und Lieferfunktionen müssen dabei eng zusammenspielen. Bei Merck Electronics kommt den IT Business Partnern auch dabei eine zentrale Rolle zu: Sie stellen eine effiziente Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen sicher, sodass ganzheitliche Lösungen entstehen.

2. Intensivere Cloud-Nutzung:
In den relevanten Medien ist immer wieder zu lesen, dass in Zukunft sämtliche IT-Lösungen in der Cloud realisiert werden. Im Praxisbetrieb zeigt sich jedoch, dass damit nicht automatisch der erwartete Mehrwert erreicht wird. Die Verlagerung existenter Prozesse in die Cloud ist nicht automatisch besser oder kostengünstiger als On-Premise- oder hybride Lösungen.

Die IT Business Partner in ihrer Doppelrolle als Technologie-Enabler und Lösungsanbieter haben hier die Aufgabe, die richtige Balance zwischen einer konsequenten Cloud-First- und einer nachhaltigen Cloud-Smart-Strategie zu finden. Sie übernehmen wiederum die Rolle des Change Agents und arbeiten eng mit den Fachbereichen in den Geschäftseinheiten zusammen. Dabei steht nicht nur die Migration in die Cloud im Fokus, sondern auch die durchaus tiefgreifende Transformation und Modernisierung der jeweiligen Geschäftsprozesse. Nicht nur die IT-Prozesse sollten neu bewertet werden, sondern konsequenterweise auch die Geschäftsabläufe.

Worauf es bei der Cloud-Implementierung ankommt

1. Zielsetzung:

Jede Cloud-Migration benötigt ein klares Ziel. Das Schwanken der Unternehmen zwischen einer vollständigen Cloud-Implementierung und der Beibehaltung ihrer lokalen Infrastruktur sollte möglichst vermieden werden. Nur Unternehmen, die hier konsequent vorangehen und bisherige traditionelle Ansätze (wie beispielsweise eigene Rechenzentren) und die Kernprozesse im Unternehmen in Frage stellen, können nachhaltige Kosten- und Betriebsvorteile in relevanter Größenordnung in der Cloud freisetzen.

2. Kontinuierliche Innovation:

Zwar gibt es im Cloud-Umfeld ein definiertes Ziel, jedoch keinen definitiven Endzustand. Regelmäßig sind die Cloud-Systeme zu aktualisieren, um neue und bessere Funktionen zur Verfügung stellen zu können. Die IT Business Partner müssen diese neuen Funktionen in Zusammenarbeit mit den relevanten Geschäftsfunktionen sorgfältig bewerten. Dabei ist es entscheidend, die Neuerungen zunächst einmal als Vorteilspotential zu betrachten, die zur weiteren Optimierung der Geschäftsprozesse genutzt werden können.

Fazit

Der rasend voranschreitende technologische Fortschritt im IT-Umfeld stellt CIOs vor komplexe Herausforderungen. Ihre Rolle ist von großer Bedeutung, um die Geschäftseinheiten erfolgreich in die digitale Zukunft zu führen. Dabei ist die Fokussierung auf die folgenden beiden Rollen entscheidend:

Der Partner der Wahl:
Die IT-Abteilung muss zum bevorzugten Partner aller Unternehmensfunktionen werden. Dies erfordert ein starkes Fundament aus technologischer Kompetenz und Geschäftssinn. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor besteht darin, die IT mit den Fachbereichen zu vernetzen oder sogar in diese zu integrieren.

Der wertschöpfende Partner:
CIOs müssen sicherstellen, dass die Investitionen den spezifischen Anforderungen der Geschäftseinheiten entsprechen. Es geht nicht mehr nur darum, lediglich Technologien bereitzustellen, sondern um die Schaffung von konkretem und nachhaltigem Mehrwert.

Merck Electronics hat mit dem Netzwerk aus IT Business Partnern, die eng mit den jeweiligen Geschäftseinheiten verbunden sind, sehr gute Erfahrungen gemacht, da sie eine Brücke zwischen Technologie und Business bilden und eine maßgeschneiderte Ausrichtung der IT auf die spezifischen Anforderungen der Geschäftseinheiten ermöglichen. Durch die enge Vernetzung und den Wissensaustausch wird eine digitalaffine Denkweise gefördert, Innovationen kommen schneller zur Anwendung und die digitale Transformation wird entscheidend vorangetrieben. Kurz gesagt: Der CIO in seiner neuen Rolle und sorgfältig ausgewählte IT Business Partner sind unverzichtbare Akteure, um die Herausforderungen der modernen IT-Welt zu bewältigen und den Unternehmenserfolg nachhaltig zu fördern.

Die Autoren:

Dr. Frank Ott ist CIO Electronics bei der Merck KGaA. In dieser Funktion ist er für die globale strategische Planung und Umsetzung von IT- und ERP-Initiativen zur Unterstützung des Unternehmenserfolgs verantwortlich. Dr. Ott hatte verschiedene Führungspositionen bei Merck inne und verfügt über umfangreiche Erfahrung in Strategieentwicklung, Technologie-, Transformations- und Vertriebsmanagement.
Dr. Ott hat einen Abschluss als Dipl.-Wirtsch.-Ing. und promovierte im gleichen Fachgebiet an der Technischen Universität Darmstadt.

 

Nico Cremer ist Head of CIO Office bei Merck Electronics mit Sitz in den USA. In dieser Funktion stimmt er Technologieinitiativen mit übergeordneten Geschäftsstrategien ab und treibt die digitale Transformation voran. Vor seiner Beschäftigung bei Merck arbeitete er als Strategieberater in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Nico Cremer besitzt einen Master-Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen
vom Karlsruher Institut für Technologie.

 

 

Dr. Sebastian Kaune ist Head of IT Business Partnering Semiconductor Materials bei Merck Electronics. Er besitzt umfassende Expertise in einer Vielzahl von IT-Technologien sowie langjährige Erfahrung in bereichsübergreifenden Geschäftsprozessen. Dr. Kaune besitzt einen Diplom-Abschluss im Bereich der Informatik und promovierte in der Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Universität Darmstadt.