Es gibt eine Flut von Zukunftsdaten – die Kunst ist, sie gezielt zu nutzen und klare Entscheidungen zu treffen. Trotz KI-gestütztem Trend-Scouting bleiben echte strategische Weichenstellungen aber oft aus. Warum? Weil wir die Zukunft isoliert betrachten. Bei der BSH Hausgeräte GmbH haben wir Strategic Foresight radikal effizient und wirkungsorientiert neu aufgesetzt. Durch „Open Foresight“ – das gemeinsame Deuten von Trends mit branchenfremden Partnern – brechen wir Denksilos auf und schaffen echten Business-Impact. Denn die Zukunft ist ein Teamsport.
Open Foresight erweitert Zukunftsarbeit um den Austausch zwischen Branchen. Statt Innovationen zu entwickeln, geht es um die gemeinsame Interpretation von Trends und Unsicherheiten. Unterschiedliche Perspektiven eröffnen neue Einsichten und helfen, blinde Flecken zu erkennen sowie strategische Entscheidungen zu verbessern.
Das Daten-Mojo ist vorbei: Warum herkömmliche Tools versagen
Wir leben in einer Ära der Polykrisen. Geopolitische Verschiebungen, volatile Energiemärkte und disruptive Technologien wie generative KI stellen die Unternehmen vor permanente Herausforderungen. Die klassische Reaktion in der Wirtschaft? Aufrüsten, in teure Analyse-Software investieren, Algorithmen mit unzähligen Datenpunkten füttern und interne eigene Dashboards aufbauen. Die globale Praxis zeigt jedoch: Volle Radarschirme mit bunten Megatrends führen nicht automatisch zu strategischer Klarheit, sondern oft zu einer lähmenden Informationsflut.
Das Problem ist nicht ein Mangel an Daten, sondern die Perspektive. Jedes Unternehmen betrachtet die Welt durch einen hochspezialisierten Branchentunnel. Wir interpretieren dieselben globalen Signale isoliert voneinander. Das führt zu einer Voreingenommenheit: Wir sehen nur, was wir bereits kennen. Ein solcher Ansatz ist nicht nur ineffizient, sondern im schlimmsten Fall ein teures Datengrab ohne Mehrwert für das Kerngeschäft.
Lessons Learned
- Fokus auf Interpretation statt Daten-sammeln:
Der wahre Wert liegt nicht im Besitz von Daten, sondern im gemeinsamen, kollaborativen Deuten. - Foresight direkt einkoppeln:
Verankern Sie Zukunfts-Szenarien direkt in den operativen Meilenstein-Prozessen Ihrer Produktentwicklung (wie die BSH mit „Backcasting“). - Ressourcen schonen durch Kollaboration:
Bauen Sie keine teuren Datensilos, sondern nutzen Sie Open Foresight als hocheffizienten Hebel für Cross-Industry-Insights. Der Austausch mit Unternehmen anderer Branchen hilft, Denkmuster aufzubrechen, und die Qualität strategischer Entscheidungen zu erhöhen.
Open Foresight: Maximaler Impact bei minimalem Ressourcen-Einsatz
Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, haben wir bei der BSH einen radikal effizienten Weg eingeschlagen, den wir „Open Foresight“ nennen. Das Prinzip bricht mit dem alten Dogma der strikten Geheimhaltung: Wir öffnen unseren Foresight-Prozess bewusst für den branchenübergreifenden Dialog. Wir teilen unsere Beobachtungen und schwachen Signale (Weak Signals) mit Partnern aus völlig anderen Industrien – etwa aus der Automobilbranche, dem Energiesektor oder der Digitalwirtschaft.
Der Mehrwert liegt nicht im Austausch um seiner selbst willen, sondern in der Kombination unterschiedlicher Perspektiven. Der gemeinsame Austausch reduziert Doppelarbeit im Trend-Scouting und erhöht gleichzeitig die Qualität der Interpretation. Unternehmen profitieren von einem breiteren Erfahrungshorizont, ohne sämtliche Analysekapazitäten selbst aufbauen zu müssen.
Ein Trend wie die zunehmende Urbanisierung oder das vernetzte Energiemanagement bedeutet für einen Hausgerätehersteller etwas anderes als für einen Energieversorger oder Logistiker. Indem unterschiedliche Branchen ihre Perspektiven auf dieselben Zukunftssignale zusammenführen, entstehen neue Einsichten, die ein einzelnes Unternehmen allein kaum gewinnen würde.
Aus der Zukunft in die Gegenwart: Die neue BSH-Ofenplattform als Hebel
Dass dieser Ansatz keine theoretische Übung ist, zeigt unser Leitsatz „From Foresight to Business“. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Entwicklung unserer neuen, globalen Ofenplattform. In der Hausgeräteindustrie sind Plattformen Investitionen für viele Jahre. Entscheidungen, die heute getroffen werden, müssen auch in zehn bis fünfzehn Jahren noch Bestand haben.
Für die Entwicklung der neuen Ofenplattform bedeutete Open Foresight, Zukunftsfragen bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung systematisch einzubeziehen. Gemeinsam mit Entwicklern, Produktmanagern und Designern wurden unterschiedliche Zukunftsszenarien diskutiert. Impulse aus dem branchenübergreifenden Austausch erweiterten dabei bewusst den Blick über die Grenzen der eigenen Industrie hinaus. Sie halfen auch, etablierte Annahmen über künftige Konsumentenbedürfnisse, Wohnformen, Energienutzung und Kochgewohnheiten kritisch zu hinterfragen.
Mithilfe der Methode des „Backcastings“ wurden diese Zukunftsszenarien Schritt für Schritt in konkrete Anforderungen an Hard- und Software übersetzt. So entstand eine Produkt-Roadmap, die nicht allein auf Prognosen, sondern auf unterschiedlichen Zukunftsperspektiven basiert. Open Foresight half dabei, Investitionsentscheidungen robuster abzusichern und langfristige Entwicklungsrisiken frühzeitig sichtbar zu machen. Denn entscheidend ist nicht, die Zukunft exakt vorherzusagen, sondern unter Unsicherheit bessere Entscheidungen zu treffen.
Fazit: Machen Sie Zukunft zum Teamsport
Strategic Foresight darf kein Luxusgut für ruhige Zeiten sein. Richtig aufgesetzt, ist es ein extrem schlankes, wirkungsvolles Werkzeug zur Risikominimierung und Innovationssteuerung. CEOs und Entscheider sollten Foresight nicht als Kostenstelle begreifen, sondern als den effizientesten Kompass, den ihr Unternehmen in stürmischen Zeiten besitzen kann. Doch diesen Kompass sollte man nicht allein bauen.
Zukunft ist ein Teamsport. Lassen Sie uns zusammenspielen!
Sie wollen Ihre Foresight-Aktivitäten effizienter gestalten und neue Perspektiven gewinnen? Ich suche den aktiven Austausch mit C-Level-Entscheidern, Strategen und Experten anderer Industrien für konkrete Open-Foresight-Projekte und gemeinsame Trend-Interpretationen.
Kontaktieren Sie mich direkt:
LinkedIn: Christian Beck | www.linkedin.com/in/christian-beck-muc
E-Mail: Christian.Beck@bshg.com
