SAP-integriertes Tax CMS als Hebel zur Digitalisierung
Alain-Brieuc Gall

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Die fortschreitende Digitalisierung zwingt Unternehmen, ihr Tax Compliance Management grundlegend neu zu gestalten. Wo früher Excel-basierte Lösungen und manuelle Prüfprozesse dominierten, treten heute digitalisierte, integrierte und technologisch ausgereifte Systeme in den Vordergrund. Moderne Tax Compliance Management Systeme (CMS) werden damit zum zentralen Baustein der digitalen Steuerstrategie.

Digitalisierung & Compliance als Erfolgsfaktoren

Die Leistungsfähigkeit eines Tax CMS hängt nicht nur von moderner Technologie ab, sondern auch von einer gelebten Compliance-Kultur. Erst das Zusammenspiel beider Faktoren macht steuerliche Prozesse effizient, belastbar und zukunftsfähig.

  1. Digitalisierung
    Je höher der Digitalisierungsgrad, desto effizienter und belastbarer ist das Tax CMS. Eine standardisierte und integrierte Prozess- und Systemlandschaft erhöht die Transparenz und Qualität der steuerlichen Daten erheblich. Auf dieser Basis lassen sich datengetriebene Kontrollen gezielt etablieren – dies schafft belastbare Kontrollen auf Transaktionsebene. Das System wird dadurch nicht nur sicherer, sondern auch reaktionsfähiger gegenüber regulatorischen Änderungen.
  2. Compliance
    Neben technologischem Fortschritt ist die gelebte Compliance-Kultur entscheidend. Hohe Mitwirkungsbereitschaft, offene Fehlerkultur und ausgeprägtes Kontrollbewusstsein sichern die Nachhaltigkeit des Tax CMS. Ziel ist nicht allein die Automatisierung von Prüfprozessen, sondern die Schaffung eines integrierten Systems, das in die Geschäftsprozesse eingebettet ist.

Tax CMS als Quality Gate für steuerliche Daten

Regulatorische Dynamik, große Datenvolumen und technologische Komplexität treffen im Steuerbereich besonders deutlich aufeinander. Themen wie E-Invoicing oder VAT in the Digital Age (ViDA) zwingen Unternehmen, ihre Prozesse neu zu denken. Viele Organisationen nutzen die SAP S/4HANA-Transformation, um steuerliche Anforderungen direkt in die digitalen Kernprozesse zu integrieren.

Die Sicherstellung qualitätsgesicherter steuerlicher Daten erfolgt entlang des End-to-End-Prozesses in vier Phasen:

  1. Sicherstellung der steuerlichen Einstellungen im SAP-Core (Customizing
  2. Validierung der Daten vor Verbuchung – idealerweise unterstützt durch KI
  3. Validierung nach Verbuchung – mithilfe steuerspezifischen Business Content
  4. Standardisiertes und automatisiertes Reporting

Warum ein digitales Tax CMS entscheidend ist:

  • Effizienzsteigerung: Automatisierte Prüfprozesse reduzieren Aufwand und Fehler.
  • Datenqualität & Transparenz: einheitliche, standardisierte Prozesse erhöhen die Verlässlichkeit steuerlicher Daten.
  • Reaktionsfähigkeit: schnelle Anpassung an regulatorische Änderungen, z. B. ViDA oder E-Invoicing.
  • Strategischer Wert: vom Kontrollinstrument zum Enabler für Unternehmenssteuerung und Finanzverwaltung.

Die Kontrollen sollten möglichst nah an der Datenquelle erfolgen – zentral, ohne redundante Datenhaltung und mit nachvollziehbarer Dokumentation direkt am Beleg.

One-ERP oder heterogene Landschaft: Wege zur Datenharmonisierung

Unternehmen setzen auf zwei grundlegende Szenarien:

  1. One ERP Strategie:
    alle steuerrelevanten Prozesse laufen in einem zentralen SAP S/4HANA-System.
  2. Heterogene Systemlandschaft (SAP und Non-SAP):
    verschiedene Systeme sind im Einsatz. In diesem Fall ist eine Datenharmonisierung zwingend erforderlich. Ein zentrales Datenmanagement sollte dem Reporting vorgeschaltet sein, z. B. durch SAP Central Finance, um konsistente, belastbare Daten zu gewährleisten.

End-to-End-Compliance mit SAP RAM und SAP DRC

SAP RAM – internes Kontrollsystem
Mit SAP Risk and Assurance Management (SAP RAM) steht eine cloudfähige GRC-Lösung zur Verfügung, die steuerliche Kontrollen direkt ins SAP Core System bringt. Workflows dokumentieren nachgelagerte Kontrollaktivitäten sowie potenzielle Abweichungen transparent. Machine-Learning-Komponenten unterstützen das Issue-Handling durch intelligente Entscheidungsvorschläge. SAP RAM übernimmt damit die Rolle des internen Kontrollsystems im Tax CMS.

Vorteile einer One-ERP-Strategie

  • One-ERP-Ansatz: Alle steuerrelevanten Prozesse in einem SAP S/4HANA-System.
  • Datenharmonisierung: Einheitliche, qualitätsgesicherte Datenbasis.
  • Automatisierung & Standardisierung: Reduziert manuelle Prozesse, erhöht Effizienz und Transparenz.
  • Business Case: Ermöglicht Insourcing von Reportingaktivitäten, stärkt interne Steuerkompetenz und reduziert Abhängigkeit von Dienstleistern.

Ein in SAP S/4HANA integriertes Tax CMS schafft Effizienz, Transparenz und Revisionssicherheit – und macht Steuerprozesse zum strategischen Enabler.

SAP DRC – automatisiertes Reporting
Die globale Reportingplattform ist Bestandteil von SAP Document and Reporting Compliance (SAP DRC). Sie verbindet VAT-Reporting und E-Invoicing auf einer zentralen, integrierten Plattform. Vorteile:

  • Einheitliche Datenbasis und konsistente Prozesse
  • Höchste Effizienz durch Automatisierung
  • Echtzeit-Compliance und Transparenz
  • Integration datengetriebener Kontrollen und des Tax CMS in den Reportingprozess

SAP DRC automatisiert die Erstellung, Übermittlung und Verwaltung steuerrelevanter Meldungen (z. B. Umsatzsteuer, SAF-T, E-Invoicing). Die Lösung ermöglicht Echtzeit-Kommunikation mit den Steuerbehörden und bietet zentrale Dashboards zur Überwachung, Korrektur und Fristenkontrolle.

SAP RAM und SAP DRC sind eng verzahnt: Ergebnisse und offene Issues aus SAP RAM fließen direkt in den Reportingprozess von SAP DRC ein. So entsteht ein revisionssicherer End-to-End-Kreislauf – von der Datenprüfung bis zur Meldung an die Finanzbehörden.

Fazit – Business Case und Paradigmenwechsel

Ein wesentlicher Vorteil liegt im Insourcing von Reportingaktivitäten. Viele Unternehmen nutzen die regulatorischen Vorgaben von ViDA, um ausgelagerte Umsatzsteuerprozesse zu zentralisieren und intern abzubilden. Globale, automatisierte Reportinglösungen unterstützen diesen Wandel, fördern Standardisierung und schaffen durch Digitalisierung einen belastbaren Business Case.

So wird das Tax CMS vom reinen Kontrollinstrument zu einem strategischen Enabler, der Transparenz, Effizienz und Vertrauen – auch gegenüber der Finanzverwaltung – nachhaltig stärkt.