Mit Sale & Lease Back den Fortbestand des Unternehmens sichern

Der Eintritt eines Krisenfalles ist nicht immer leicht zu definieren, auch nicht, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, einen außenstehenden Berater in die Geschäftstätigkeit des Unternehmens zu involvieren. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Familienunternehmens in der Automobilzuliefererindustrie hatte seit mehreren Monaten einen rückläufigen Umsatz verzeichnet, bevor er sich an einen Experten gewendet hat. Schließlich hat das Unternehmen beim Gericht einen Antrag auf eine Sanierung mit Eigenverwaltung gestellt. Eine gerichtlich überwachte Eigenverwaltung ermöglichte dem Unternehmer, weiterhin Rechtshandlungen vorzunehmen. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen hatte er mit allen Beteiligten gesprochen – sowohl mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten als auch mit Kreditgebern, die vor allem in Krisensituationen wegen Deckung des Liquiditätsbedarfes von größter Bedeutung sind.

Doch gerade in Krisenzeiten sind es die Banken, die bei ihrer restriktiven Kreditvergabe oft zusätzliche Sicherheiten für die Gewährung weiterer Gelder verlangen. Da sie gebrauchte mobile Anlagegüter in der Regel nicht bewerten können, können diese für eine Finanzierung nicht genutzt werden. Mittelständische Betriebe im produzierenden Gewerbe, in dem sich auch unser Unternehmer befindet, greifen darum vermehrt auf alternative Finanzierungen wie “Sale & Lease Back“ für die Generierung zusätzlicher Liquidität
zurück, denn bei dieser Finanzierungsform steht die Werthaltigkeit der Maschinen im Mittelpunkt.

Das Besondere an “Sale & Lease Back“ ist, dass die Maschinen uneingeschränkt weitergenutzt werden können. Den Maschinenpark verkaufte der Automobilzulieferer an den Leasinggeber Nord Leasing GmbH, um diesen in monatlichen Raten wieder zurückzuleasen. Somit wurde gewährleistet, dass der Geschäftsbetrieb nicht beeinträchtigt wurde. Die Produktion lief wie gewohnt weiter, und nicht nur alte Aufträge konnten erfüllt, sondern auch neue Aufträge angenommen werden. Ein weiterer Vorteil war, dass die Bewertung der Anlagegüter durch fachmännische Bewertung innerhalb kürzester Zeit erfolgte, und auch die Prüfung, Genehmigung und schließlich die Auszahlung binnen weniger Wochen umgesetzt war. Eine enorme Erleichterung für den Unternehmer, da er durch das Gericht ohnehin an bestimmte Fristen gebunden war.

Das Ziel der Sanierung war, das in Schieflage geratene Unternehmen an das aktuelle Marktumfeld anzupassen und die Arbeitsplätze zu sichern, um so für den Fortbestand des Unternehmens zu sorgen. Die Erwartungen wurden mit Hilfe der Liquiditätsspritze sogar übertroffen, denn der Unternehmer bezog in seinen Zukunftsplan bereits jetzt schon die Möglichkeit einer neuen „Sale & Lease Back-Finanzierung“ nach Ablauf der aktuellen Vertragslaufzeit. Diese Möglichkeit
nutzen nämlich zwei Drittel der Kunden der Nord Leasing GmbH. Neben der zügigen Gewinnung neuer Liquidität bei uneingeschränkter Nutzung der Maschinen und Anlagen sind die Verbesserung der Eigenkapital-Quote durch das Herauslösen der finanzierten Maschinen aus der Bilanz sowie das Generieren von Buchgewinnen durch das Heben stiller Reserven mögliche weitere Vorteile einer Sale & Lease Back-Lösung.

Vor dem Hintergrund, dass das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) die insolvenzbedrohten Unternehmen ermutigen sollte, einen Insolvenzantrag so früh wie möglich zu stellen, bevor die Möglichkeiten einer Sanierung aufgrund fehlender Liquidität erschöpft sind, verstärken sich mittlerweile die Anfragen nach einer Sale & Lease Back-Finanzierung von Unternehmen, die eine Sanierung im Rahmen der ESUG durchlaufen. Diese Finanzierungsform kann sowohl bei einer übertragenden Sanierung als auch bei einer Restrukturierung im Rahmen eines Insolvenzplanes als Finanzierungsbaustein eingesetzt werden.

Der Autor: Thomas Vinnen, der selbst aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie stammt, ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der Nord Leasing GmbH. Davor war der Bank- und Diplom-Kaufmann unter anderem in leitender Funktion bei der DaimlerChrysler AG sowie Alleinvorstand eines Wareneinkaufsfinanzierers, den er seinerzeit zum führenden Anbieter der Einkaufsfinanzierung in Deutschland ausbaute. Neben seiner Geschäftsführertätigkeit bei Nord Leasing ist er seit 2018 außerdem Geschäftsführer der  Deutsche Einkaufsfinanzierer GmbH, einem der führenden Anbieter im Bereich Wareneinkaufsfinanzierung.